Über Triggerpunkte und Triggerpunkt-Therapie

Mit einer myofaszialen Triggerpunkt-Therapie werden sogenannte myofasziale Triggerpunkte, MTrP (auch einfach "Triggerpunkte", TrP) im Muskel behandelt. Myofasziale Triggerpunkte sind schmerzhafte, verspannte Bereiche im Muskel eines Menschen. Sie betreffen sowohl den Muskel, deshalb "myo" (myós ist griechisch und bedeutet Muskel), als auch die Faszie, deshalb "faszial". Myofasziale Triggerpunkte gehören zu den häufigsten Ursachen für chronische Schmerzen am Bewegungsapparat - sogenannte myofasziale Schmerzen. Sie können überall am Körper vorkommen. Eine professionelle Triggerpunkt-Therapie löst die Verspannung und damit auch den Schmerz nachhaltig. Grundsätzlich lassen sich zwei verschiedene Methoden zur Behandlung von Triggerpunkten unterscheiden: die Manuelle Triggerpunkt-Therapie und das Dry Needling (trockenes Nadeln).

Was sind Triggerpunkte?

Dr. Janet Travell, MD (1901-1997), war eine amerikanische Ärztin und persönliche Rheumatologin von US-Präsident John F. Kennedy. Sie publizierte 1942 als Erste den Begriff "myofascial Trigger Point".

Dr. Janet Travell, MD (1901-1997), war eine amerikanische Ärztin und persönliche Rheumatologin von US-Präsident John F. Kennedy. Sie publizierte 1942 als Erste den Begriff "myofascial Trigger Point".

Im Jahr 1983 hat Dr. Janet Travell, MD zusammen mit Dr. David G. Simons, MD das Standardwerk „Myofascial Pain and Dysfunction – The Trigger Point Manual“ publiziert. Dieses Buch veränderte die Bewegungsapparat-Medizin.

Im Jahr 1983 hat Dr. Janet Travell, MD zusammen mit Dr. David G. Simons, MD das Standardwerk „Myofascial Pain and Dysfunction – The Trigger Point Manual“ publiziert. Dieses Buch veränderte die Bewegungsapparat-Medizin.

Geschichte der Triggerpunkte

Die Erforschung von Muskelschmerzen geht weit zurück in die Vergangenheit. Viele Konzepte wurden entwickelt, von denen eines am erfolgreichsten war: das Konzept der myofaszialen Triggerpunkte und der myofaszialen Schmerzen. Dr. Janet Travell, MD (1901-1997) war eine amerikanische Ärztin und persönliche Rheumatologin von US-Präsident John F. Kennedy. Sie publizierte 1942 als Erste den Begriff "myofascial Trigger Point". Im Jahre 1960 tat sich Travell mit Dr. David G. Simons, MD (1922-2010) zusammen und erforschte die Triggerpunkte und das myofasziale Schmerzsyndrom. Im Jahr 1983 publizierte Travell zusammen mit Simons das Standardwerk „Myofascial Pain and Dysfunction – The Trigger Point Manual“. Dieses Buch war ein Durchbruch in der Welt der Rheumatologie, Orthopädie und Physiotherapie und veränderte das Verständnis und die Behandlungsansätze von chronischen Schmerzpatienten. Seit 1983 haben weltweit Zehntausende Physiotherapeuten, Ärzte, Chiropraktoren, Masseure und andere medizinische Fachpersonen die Behandlung von Triggerpunkten in ihr Behandlungsspektrum aufgenommen.

Schematische Darstellung eines Triggerpunktes. Viele dauerhaft verkrampfte Muskelfaserabschnitte ("contraction knots") bilden einen tastbaren Hartspannstrang ("taut band"), in dem Triggerpunkte entstehen können. (Quelle: David G. Simons, MD, Janet G. Travell, MD & Lois Statham Simons “Myofascial Pain & Dysfunction  - The Trigger Point Manual”, Volume 1, 1999)

Schematische Darstellung eines Triggerpunktes. Viele dauerhaft verkrampfte Muskelfaserabschnitte ("contraction knots") bilden einen tastbaren Hartspannstrang ("taut band"), in dem Triggerpunkte entstehen können. (Quelle: David G. Simons, MD, Janet G. Travell, MD & Lois Statham Simons “Myofascial Pain & Dysfunction - The Trigger Point Manual”, Volume 1, 1999)

Entstehung und Definition von myofaszialen Triggerpunkten

Myofasziale Triggerpunkte sind klinisch eindeutig identifizierbare, schmerzhafte, pathologische Veränderungen in der Skelettmuskulatur. Es handelt sich um winzige Faseranteile in den Muskeln, die dauerhaft verkrampfen und verkürzen. Die häufigste Ursache hierfür ist wahrscheinlich eine Überbelastung oder Fehlbelastung des Muskels. Im Triggerpunkt ist die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen gestört, so dass es zu einer Dauerkontraktion kommt, die selten ohne Behandlung verschwindet.

Die "Energy Crisis Theory" von myofaszialen Triggerpunkten: Durch Verletzungen des sarkoplasmatischen Retikulums kommt es zu einer unkontrollierten Freisetzung von Kalziumionen innerhalb der Muskelfasern. Das hat zur Folge, dass sich die Muskelfasern zusammenziehen, kleine Blutgefässe abdrücken und somit die Sauerstoffversorgung der Muskelfaser abnimmt. Ein Mangel an Sauerstoff wird als Energiekrise bezeichnet. Es kann zu lokalen entzündlichen Schmerzen und zu einer andauernden Kontraktion der betroffenen Muskelfasern kommen. Viele solche zusammengezogene Muskelfasern bilden einen myofaszialen Triggerpunkt.

Die "Energy Crisis Theory" von myofaszialen Triggerpunkten: Durch Verletzungen des sarkoplasmatischen Retikulums kommt es zu einer unkontrollierten Freisetzung von Kalziumionen innerhalb der Muskelfasern. Das hat zur Folge, dass sich die Muskelfasern zusammenziehen, kleine Blutgefässe abdrücken und somit die Sauerstoffversorgung der Muskelfaser abnimmt. Ein Mangel an Sauerstoff wird als Energiekrise bezeichnet. Es kann zu lokalen entzündlichen Schmerzen und zu einer andauernden Kontraktion der betroffenen Muskelfasern kommen. Viele solche zusammengezogene Muskelfasern bilden einen myofaszialen Triggerpunkt.

Im Detail erklärt: Ausgelöst durch eine allgemeine muskuläre Überlastung, z.B. durch eine Verletzung oder durch Fehlbelastungen, kann es zu winzig kleinen Rissen im sogenannten sarkoplasmatischen Retikulum der Skelettmuskulatur kommen. Das sarkoplasmatische Retikulum ist ein Membransystem innerhalb der Muskelfasern, das u.a. als Transportsystem und als Speicher von Kalziumionen dient. Verletzungen des sarkoplasmatischen Retikulums führen zu einer unkontrollierten Freisetzung von Kalziumionen und damit zu anhaltenden Kontraktionen der Muskelfaser, denn Kalziumionen haben in der Muskelfaser u.a. die Aufgabe, Kontraktionen auszulösen. Wird nun bei einer Verletzung die Muskelfaser mit Kalziumionen regelrecht überschwemmt, zieht sich die Muskelfaser ungehindert und anhaltend zusammen. Eine Vielzahl solcher Kontraktionen an einer Stelle im Muskel können einen Hartspannstrang bilden. Hartspannstränge können von ausgebildeten Physiotherapeuten und Ärzten ertastet werden. Durch die Kontraktionen der Muskelfasern werden umliegende kleinste Blutgefässe (sog. Kapillaren) zusammengedrückt. Dadurch wird der Muskel in dieser Zone schlechter durchblutet und es kommt zu einer Mangelversorgung des Muskels mit Sauerstoff. Dieser Zustand kann sich über lange Zeit aufrechterhalten, denn eine schlechte Sauerstoffversorgung des Muskels hat auch zur Folge, dass der Muskel zu schmerzen beginnt und sich erneut zusammenzieht. Man spricht dabei von der sogenannten "Energy Crisis Theory". Es entstehen myofasziale Triggerpunkte.

Schmerzen und Myofasziale Triggerpunkte

Wie bereits erwähnt, sind myofasziale Triggerpunkte eine der häufigsten Ursachen für chronische Schmerzen am Bewegungsapparat. Jedoch wurde ihre Bedeutung für die Schmerztherapie lange Zeit nicht korrekt erkannt. Das hat einen einfachen Grund: Der MTrP selbst schmerzt in der Regel kaum (oder nur bei direkter Ausübung von Druck), dafür strahlt der Schmerz in andere, angrenzende Körperregionen aus. Der Ort, an dem der Schmerz entsteht, und der Ort, an dem er empfunden wird, können somit manchmal weit auseinander liegen. Die Quelle für Kreuzschmerzen kann zum Beispiel in der Bauchmuskulatur liegen und Kopfschmerzen können in der Nackenmuskulatur entstehen. Der ausstrahlende Schmerz ist ein charakteristisches Merkmal von myofaszialen Triggerpunkten und auch Grundlage für ihren Namen: Der „Trigger-Punkt“ löst (Englisch: „to trigger“) Schmerzen in anderen Körperregionen aus. 

Diagnose-Merkmale von myofaszialen Triggerpunkten

In der Fachliteratur und der Praxis haben sich vier Diagnose-Kriterien für myofasziale Triggerpunkte etabliert. Je mehr Kriterien gemeinsam auftreten, desto sicherer kann man von einem MTrP ausgehen.

  • Ein Hartspannstrang (verspanntes Muskelfaserbündel) in der Muskulatur
  • Eine druckempfindliche Zone im Hartspannstrang
  • Vom Triggerpunkt ausstrahlende Schmerzen
  • Lokale Zuckungsantwort des Hartspannstrangs bei mechanischer Stimulation des Triggerpunkts

Die Diagnosekriterien weisen bei geschulten Personen eine sehr hohe Intertesterreliabilität auf. Das heisst, Triggerpunkte können von ausgebildeten Fachpersonen mit hoher Sicherheit und Trennschärfe diagnostiziert werden.

Beispiel eines häufigen Ausstrahlungsgebietes eines myofaszialen Triggerpunktes im M. trapezius. (Quelle: David G. Simons, MD, Janet G. Travell, MD & Lois Statham Simons “Myofascial Pain & Dysfunction  - The Trigger Point Manual”, Volume 1, 1999)

Beispiel eines häufigen Ausstrahlungsgebietes eines myofaszialen Triggerpunktes im M. trapezius. (Quelle: David G. Simons, MD, Janet G. Travell, MD & Lois Statham Simons “Myofascial Pain & Dysfunction - The Trigger Point Manual”, Volume 1, 1999)

Was ist eine myofasziale Triggerpunkt-Therapie

Dry Needling eines Unterarmmuskels (M. extensor carpi radialis longus).

Dry Needling eines Unterarmmuskels (M. extensor carpi radialis longus).

Ziele

Die Ziele der Triggerpunkt-Therapie sind:

  • die Durchblutungsverbesserung innerhalb der Triggerzone
  • das Dehnen des Hartpannstranges und
  • das Lösen der umgebenden Faszien

Methoden

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Triggerpunkte zu behandeln. Am besten haben sich die Manuelle Triggerpunkt‐Therapie und das Dry Needling  und die Kombination dieser beiden Techniken bewährt. Bei der Manuellen Triggerpunkt‐Therapie wird mit gezielten Behandlungsgriffen die Muskulatur, die Faszien und das Bindegewebe behandelt. Beim Dry Needling werden dazu sterile Einweg‐Akupunkturnadeln verwendet, um die veränderten Muskelstellen so zu beeinflussen, dass die normale Blutzirkulation in den Triggerpunkten wieder hergestellt wird und der fortgeleitete Schmerz verschwindet. Je präziser die Triggerpunkte behandelt werden, desto besser ist das Behandlungsresultat.

Manuelle Triggerpunkt-Therapie an einem Oberschenkelmuskel (M. biceps femoris caput breve).

Manuelle Triggerpunkt-Therapie an einem Oberschenkelmuskel (M. biceps femoris caput breve).